Präsident verzweifelt gesucht
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts besteht in der Europäischen Gemeinschaft der Wunsch nach einem starken Präsidenten, der die EU beispielsweise gegenüber China und den USA selbstbewusst vertreten kann. Anstelle von Präsidenten, die alle sechs Monate nach dem Rotationsprinzip wechseln, sollte eine Persönlichkeit das Amt langfristiger ausüben, um die EU mit ihrer Erweiterung effizienter, demokratischer und transparenter zu machen. Die Dokumentation verfolgt die Entwicklung der EU über acht Jahre, beginnend mit dem 2001 unterzeichneten Vertrag von Nizza über den Vertrag von Lissabon 2007 bis hin zur letztendlichen Wahl Herman Achille Van Rompuys im Jahr 2009 zum EU-Ratspräsidenten. Dabei wird immer deutlicher, dass sich der anfängliche Enthusiasmus schnell im politischen Tagesgeschäft verläuft. Während die Protagonisten zunehmend rein nationale Interessen verfolgen und der Irak-Krieg 2003 zu einer zusätzlichen Spaltung führt, wird der Traum von einer europäischen Verfassung ebenso verworfen wie der Wunsch nach einem starken Präsidenten. Durch die Dokumentation wird viel von der Macht und der Machtlosigkeit der europäischen Staatsmänner sichtbar und vom Wesen der politischen Macht überhaupt. Dem Zuschauer wird Einblick in noch nie zuvor gezeigte Abläufe innerhalb politischer Konferenzen gewährt. Zu Wort kommen Politiker wie Romano Prodi, Herman Achille Van Rompuy, Anders Fogh Rasmussen, Jacques Chirac, Gerhard Schröder und Joschka Fischer. Trotz internationaler Bemühungen politischer Größen kann der Einigungsprozess in gewisser Weise als gescheitert angesehen werden. Wie Romano Prodi im Laufe der Dokumentation bemerkt: 'Europa ist wichtig. Niemand stellt Europa infrage. Aber die weitere Entwicklung des Projekts? Historisch verpassen wir eine große Möglichkeit. Ich hoffe nur, sie stellt sich noch einmal (...). Weil wir von einer monopolaren zu einer multipolaren Welt wechseln - und wir haben die Gelegenheit verpasst, einer der Pole zu sein.