planet e.: Asbest - Fluch der Todesfasern

planet e.: Asbest - Fluch der Todesfasern

Asbest ist kein Fluch der Vergangenheit. Die Faser tötet in der Gegenwart. Heute. Jeden Tag. Es ist ein stiller, qualvoller Tod, den in Deutschland rund 1300 Menschen jährlich erleiden. Durch die krebsauslösenden, winzigen Mineralfasern sterben mehr Menschen als durch Berufsunfälle. Das heimtückische daran: Der Tod tritt erst als Spätfolge nach Jahrzehnten ein. Europaweit erwartet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bis 2030 eine halbe Million Opfer. Asbest, ein Skandal, den 'planet e.' mit Betroffenen und deren Helfern aus der Vergessenheit holt. So wusste auch der technische Zeichner Dieter Schmelz während seiner Ausbildung nicht, welcher unsichtbaren Gefahr er sich auf einer Baustelle aussetzte. Es waren nur wenige Monate, trotzdem brach bei ihm viele Jahre später eine Asbestose aus. Erstickungsanfälle und Atemnot plagen ihn, es ist eine nur schwer zu behandelnde Krankheit. Zudem zerrt der Kampf um Anerkennung als Asbestgeschädigter an seinen Kräften. Ohne die Hilfe von Hans Joachim Woitowitz hätte er längst aufgegeben. Der ehemalige Professor für Arbeitsmedizin steht Betroffenen zur Seite. Im Alter von 77 Jahren gehört er immer noch zu Deutschlands führenden Experten, einer, der sich die Entlarvung der Asbestlüge zur Lebensaufgabe gemacht hat. Einst als 'Wunderwerkstoff' gepriesen, weil besonders fest und zudem hitzebeständig, wurde Asbest massenhaft eingesetzt. Es steckt in tausenden Produkten, in Leitungen, Wänden, Dächern sogar in Elektrogeräten. Mit dem Verbot 1993 galten die Probleme amtlicherseits als gelöst, ein Trugschluss. Die Fasern halten praktisch ewig und tauchen mit ihrer verheerenden Wirkung immer wieder auf. Oft auch im Zusammenhang mit Sanierungen. Geschätzte 65 000 Gebäude sind in Deutschland belastet. Darunter Privathäuser, aber auch viele Kindergärten und Schulen. Das bedeutet etliche Milliarden Euro Sanierungskosten, und das bei leeren Kassen in vielen Kommunen. Wer das Geld nicht hat, ignoriert oft die Gefahr. Können wir uns das erlauben?

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