Palettes

Palettes

douard Manet (1832-1883) löste 1863 mit seiner modernen Nachempfindung von Tizians 'Venus von Urbino' einen Skandal aus: Ein hellhäutiges, unbekleidetes Mädchen liegt ganz selbstverständlich auf einem Divan. Die Reaktionen waren entsprechend: 'Soll diese Odaliske mit gelbem Bauch die Olympia darstellen?' oder: 'Die Menge drängt sich vor Manets verdorbener Olympia wie im Leichenschauhaus.' Die Frau, die für die 'Olympia' Modell stand, war Victorine Meurent. Manet hatte sie schon in seinen Gemälden 'Frühstück im Freien' und 'Frau mit Papagei' verewigt, und sie sollte auch in einem späteren Werk wieder erscheinen. Die sanftmütige, kurvenreiche Victorine Meurent, Manets bevorzugtes Modell, war eine unkonventionelle und unabhängige Frau. Das Bild ist zugleich eine Art Hommage an das traditionelle Künstlermodell, das die Fantasie der Maler seit der Renaissance beschäftigte, und eine Provokation: Die mythologischen und antiken Anspielungen werden in einen modernen Zusammenhang gestellt und wirken umso skandalöser, als die Szene unzweideutig auf ein Bordell verweist. Sieben Jahre nach Manets Tod unternahm sein Freund Monet im Namen einer Malergruppe eine Sammelaktion, um das Bild zu erwerben und dem Staat zu schenken. 'Olympia' lässt auch heute den Malern keine Ruhe. So hat zum Beispiel Larry Rivers 1970 eine schwarze 'Olympia' gemalt.

Bewertung

0,0   0 Stimmen