Österreichs Welterbe

Österreichs Welterbe

Kulturlandschaften, Städte, steinerne Erinnerungen an die Vergangenheit: In den UNESCO-Welterbestätten Österreichs spiegelt sich die Geschichte des einstigen Weltreiches.
Salzburg, Wien und Graz; die Landschaften der Wachau und des Neusiedlersees, das Salz Hallstatts und die technische Meisterleistung der Semmeringbahn - Österreichs Welterbe ist sehr vielfältig und verschieden.
Seit dem 11. Jahrhundert wird die Stadt Salzburg von der Festung Hohensalzburg beschützt. Längst ist die mittelalterliche Burganlage selbst schützenswert. Gemeinsam mit der Altstadt wurde sie 1997 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die barocke Fröhlichkeit der Stadt, ihr südlicher Charme wirken geradezu italienisch. Nach dem Willen der Erzbischöfe des 16./17. Jahrhunderts sollte das mittelalterliche Städtchen in ein deutsches Rom verwandelt werden. Die besten Künstler Italiens wurden nach Salzburg geholt. Der berühmteste Sohn der Stadt, Wolfgang Amadeus Mozart, hat zwar den Erzbischöfen früh den Rücken gekehrt, doch der Geist Mozarts ist heute noch in der Festspielstadt allerorts spürbar.
Ebenfalls im Salzkammergut liegt Hallstatt, das älteste Salzbergwerk der Welt. Schon zu prähistorischen Zeiten bauten Menschen in einer hoch entwickelten Kultur das weiße Gold ab. Die Zeugnisse ihrer Existenz hat das Salz konserviert. Hallstatt selber konnte wegen seiner Lage zwischen einem See und einem Berg nie sehr groß werden, aber das Salz brachte fortwährenden Wohlstand mit sich. Heute lebt die Stadt neben dem Salz auch vom Tourismus.
Auch die Wachau ist Ziel vieler Besucher: ein Achterl und ein Vierterl, Jodeln und Backhendl, Dirndl und Goldhauben, Ausflugsdampfer und heitere Gemütlichkeit. Alles richtig und genauso falsch. Die Wachau, das ist zunächst einmal ein etwa 30 Kilometer langer Donaudurchbruch zwischen Melk und Krems in Niederösterreich. Der Fluss bildet hier ein enges Felsental.
Ein Wahrzeichen der Wachau und eigentlich die Inszenierung dieser Landschaft ist das Stift Melk. Kernstück des Melker Klosterkomplexes ist die Bibliothek, mit 85 000 Bänden und 1200 Handschriften eine der größten der Welt. Es ist das ideologische Hauptquartier des Benediktinertums. Benedikts Geisteshaltung ist bei aller asketischen Strenge auch stets durchlässig für Lebensfreude und Sinnlichkeit. So billigte er jedem Mönch eine Tagesration von einer Hemina Wein zu, immerhin ein guter Liter. Der Wein wird in der Wachau schon seit keltischen Zeiten angebaut. Die Reben wachsen auf Terrassen, die in schweißtreibender Fronarbeit in das Urgestein geschlagen wurden. Barock wie die Klöster breitet sich die Landschaft mit all ihren Sagen und Geschichten vor dem Besucher aus. Die Wachau, das ist ein ganz reales, kleines Paradies, abseits der Welten Hektik. Eine Gratwanderung zwischen Kitsch und echter Romantik.
In kaum einer europäischen Stadt ist das Morbide so gegenwärtig wie in Wien. Nirgendwo sonst wurde der Tod so oft besungen und bedichtet wie in Wien. Wir besuchen die Hofburg, das Zentrum der über 600 Jahre währenden Habsburger Monarchie. Unser Spaziergang führt in die Augustinerkirche, in deren "Herzgrüfterl" die Herzen von 54 Habsburgern in Silberurnen bestattet wurden. In der Gruft der Michaelerkirche lagern über 250 Särge. Ganze Böden und Wandflächen sind hier mit Knochen bedeckt.
Am Höhepunkt habsburgischer Machtentfaltung zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als nach der Türkenbelagerung 1683 sich die wiedergewonnene Bedeutung des kaiserlichen Wien in den großen Leistungen der Barockkunst widerspiegelt, wird Schönbrunn eine der wichtigsten Bauvorhaben der Haupt - und Residenzstadt. Als zentrale Leistung im Werk des bedeutenden Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach zählen Schloss und Gartenanlage von Schönbrunn zu den Hauptwerken barocker Schlossbaukunst in Europa.
Von Wien geht es an die Grenze zu Ungarn, zu einem Naturerbe: Der Neusiedlersee ist der drittgrößte See in Mitteleuropa. Geologisch verläuft hier die Grenze nach Osteuropa. Nur anderthalb Meter ist der Steppensee im Durchschnitt tief. Der Wasserstand wird vor allem durch Regen und Schnee bestimmt. So eigentümlich der See selbst, so einmalig ist auch sein Umland. Zu den Besonderheiten gehören die Lacken im Seewinkel, kleine Weiher und Tümpel, die nicht mit dem eigentlichen See verbunden sind. Ein Paradies für Tiere, das seit 1992 als Naturpark in großen Teilen sich selbst überlassen bleibt.
Über den Gebirgspass Semmering führte der kürzeste Weg von Wien an die Adria. Es war ein verwegenes Unternehmen, hier eine Eisenbahnstrecke zu bauen. Die Bahnstrecke musste über Gräben hinweg, durch Berge hindurch und an Felswänden entlang gebaut werden. Planungschef Karl Ritter von Ghega plante 15 Tunnel und 16 zum Teil zweistöckige Viadukte. Zeitweise bauten bis zu 20 000 Arbeiter an der Bahnstrecke. Sie ist noch heute eine Erinnerung an die Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, als der Semmering zum Zauberberg wurde. In den Villen und Palästen feierten die Sommerfrischler rauschende Feste. Und die Künstler des Fin de Siècle pilgerten in eine Landschaft, die sich ausbreitet, als sei sie inszeniert. Der Semmering war zum Mythos geworden und der Traum von der Adria wahr.
In Graz, der Hauptstadt der Steiermark, scheinen die Uhren ein klein wenig langsamer zu gehen als anderswo. Im 15. Jahrhundert war Graz die Hauptstadt Innerösterreichs. So friedlich Graz uns heute auch scheint, es war immer eine wehrhafte Stadt. Gleichzeitig gilt es als die italienischste Stadt Österreichs. Das liegt vor allem an den Architekten, die im 16. Jahrhundert aus der Lombardei in die Stadt kamen. Mit einer viertel Million Einwohner ist Graz heute die zweitgrößte Stadt Österreichs. Dank seiner Geografie ist es eine Drehscheibe zwischen West - und Südeuropa.

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