Opernhaus des Jahres 2015: Wozzeck

Opernhaus des Jahres 2015: Wozzeck

Das Drama um den Soldaten Wozzeck basiert auf der wahren Geschichte des Johann Christian Woyzeck, den Berg 1921 als Opernfigur entdeckte. Am 21. Juni 1821, um halb zehn abends, erstach der 41-jährige Barbier Johann Christian Woyzeck seine Geliebte, die 46-jährige Witwe des Chirurgen Woost, im Hauseingang ihrer Wohnung in der Leipziger Sandgasse mit einer abgebrochenen Degenklinge. Der Mord war eine Affekttat, das Motiv: Eifersucht. Ein Gerichtsverfahren wegen Mordes wurde eingeleitet. Es hieß, der Angeklagte leide an Bewusstseinsstörungen, Schizophrenie, Verfolgungswahn, höre Stimmen. Der Kriminalfall wurde zu einem wissenschaftlichen Streitobjekt. Man versuchte, den Geisteszustand des Angeklagten zu beurteilen. Der Seelenarzt stellte die volle Verantwortlichkeit des Täters fest. Woyzeck wurde zum Tode durch das Schwert verurteilt.
Aus dieser Lebensgeschichte und Büchners Vorlage zeichnet Alban Berg sein expressionistisch übersteigertes Seelendrama. Wozzeck ist der Antiheld, Opfer in den schwindelerregenden Abgründen einer brutalen Gesellschaft. Er wird benutzt, ausgebeutet, betrogen. Ein Getriebener, der selbst auf die Katastrophe zutreibt.

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