Mythos Osterinsel - Polynesiens Erbe in Südamerika

Mythos Osterinsel - Polynesiens Erbe in Südamerika

Sie schreien laut und schneiden martialische Grimassen. So wollen sie ihren Gegnern Furcht einflößen. So war das früher und so wird es auch noch heute gemacht, beim Tapati-Fest. Mit dem die Einwohner der Osterinsel ihre polynesische Vergangenheit jedes Jahr aufleben lassen. "Te pito o te henua", so beschreiben die Ureinwohner ihre Heimat. "Nabel der Welt" heißt das auf Deutsch. Gemeint ist damit ihre Insel in der Muttersprache Rapa Nui. Kaum ein anderer Ort auf Erden liegt so abgeschieden wie die Osterinsel. Mitten im Südpazifik, fünf Flugstunden von Chile, sechs bis Tahiti. Nabel der Welt? Ein Mythos auf jeden Fall. Optisch wird das schon durch die 900 Moai klar. Kolossale Steinfiguren mit übergroßen Köpfen. Manche über 1000 Jahre alt. Zeugen einer Kultur, die fast verschwunden wäre. Kannibalismus, Kriege, Sklaverei und Krankheiten, von Seefahrern eingeschleppt, führten dazu, dass 1877 nur noch 111 Einwohner übrig waren. Fast wäre die polynesische Kultur untergegangen. Aber dann griff Chile zu. 1888 versprach das südamerikanische Land seinen Schutz. Seitdem gehört die Osterinsel zu Chile und ist nun auch wirtschaftlich und politisch von dem südamerikanischen Land abhängig. Heute leben rund 6000 Menschen auf der Insel. "Wir sind Polynesier, als Chilenen haben wir uns nie gefühlt!" sagen die meisten. Auch deshalb gibt es alljährlich ein zweiwöchiges Fest. Spektakulär und nah an den Traditionen der Vorfahren. Tanz und Kräftemessen. Die Tapati-Wettkämpfe. Die Kontrahenten sehen furchterregend aus. Fast nackt, nur mit Lendenschurz bekleidet. Die Haut bemalt. So geht es in Wettrennen auf Bambuskanus, auf Bananenschlitten und in einer Art Triathlon durch den Vulkankrater. So hatten sich schon die Vorfahren auf ihre Kriege vorbereitet

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