Mont Saint-Michel - Heiliger Berg im Meer

Mont Saint-Michel - Heiliger Berg im Meer

Auguste Poisny hat für den weltberühmten Ort wenig übrig. 'Ich sehe ihn ja täglich,' brummt der 68-jährige, der in den Marschwiesen vor dem Mont St.-Michel Schafe hütet, und das seit über 50 Jahren. Zum letzten Mal war er auf der Insel mit seiner Schwester irgendwann mal. Phillipe Luizard dagegen besucht den 'Mont' jeden Tag. Trotz seiner 80 Jahre, trotz seiner Gehbehinderung. Für ihn wie für viele hat der kleine Granitfelsen 2 km vor der französischen Atlantikküste magische Anziehungskräfte. Schon im Mittelalter war das Kloster über dem kleinen Dorf eine Attraktion ersten Ranges - zehn große Pilgerwege führten hierhin, Tausende wanderten wochenlang, bis sie die Insel sahen, von weitem schon. So ist es noch heute. Mit einem Mal taucht es auf, majestätisch - mythisch: Weltkulturerbe, französisches Nationaldenkmal - und ganz nebenbei, aber nicht zuletzt, auch die Kommune Mont Saint-Michel. Ein französisches Dorf mit einem Gendarmen, einer Post, einer Feuerwehr, aber keiner Schule und keinem Lebensmittelladen. 151 stimmberechtigte Bürger gibt es, aber auf der Insel ist kaum jemand von ihnen anzutreffen. Dafür über drei Millionen Touristen, die sich die kleine 'Grande Rue' hinaufschieben, Richtung Abtei. Den Hunderttausenden, die mehr oder weniger kulturbeflissen einen Tagesausflug machen, stehen einige gegenüber, die hier die Mitte ihres Lebens gefunden haben. Wie die 90-jährige Madame Lebrec, die auf dem Mont ein Ferienhaus hat, aus dem 14. Jahrhundert. Oder wie der ehemalige Zisterzienser-Mönch Francois Lancelot, der so gerne ein Grabstelle auf dem Inselfriedhof finden würde: 'Selbst im Tod hätte ich dann noch das Vergnügen, hier zu sein.' Eine Insel zwischen Tourismus und Tradition, zwischen Kultur und Kommerz, ein Ort, der eine eigenartige Faszination ausübt: Das ist 'Mont Saint-Michel', der heilige Berg im Atlantik.

Bewertung

0,0   0 Stimmen