Menschen und Hotels

Menschen und Hotels

Nicht nur Schlafstätte für Reiche und Schöne aus aller Welt ist das Hotel Sacher. Das Traditionshaus in Wien kann auch mit einer exzellenten Küche aufwarten. Vor seinem Anrichtebord hat Küchenchef Jaroslav Müller - Kochgenie aus Böhmen - stets den Spielplan der Wiener Staatsoper hängen. Danach richtet er sein Menü aus. Nach Webers Freischütz steht eine 'Variation vom Reh' auf der Karte. Nach Verdi gibt es Tafelspitz und Strudel. Und stets hofft Müller, dass die Sängerin nicht so schrecklich dünn ist. Dicke Sängerinnen sind besser. Dann essen die Gäste auch mal Knödel beim Opernsouper im Sacher. Eine Büste der Kaiserin Elisabeth, bekannt als 'Sissi', steht in der Ecke des Frühstückssaals, ein Tribut des Hotels ans Kaiserhaus, weiß man doch, was man Kaiser Franz Joseph verdankt. Der Hochadel gehörte zur besten Klientel des Sacher. Bei den Habsburgern herrschte nämlich ein strenges Regiment. Gäste des Hofes gingen oft hungrig nach Hause, denn sie mussten aufhören zu essen, wenn der Kaiser fertig war. So dinierte man vor Einladungen bei Hofe ausgiebig im Sacher. Den Kaiser gibt's nicht mehr. Aber Hofschauspieler und Hofräte haben überlebt, jedenfalls im Sacher. Chefportier Peter Wanninger erhebt noch immer jeden in den Adelsstand, würdigt Grafen und Barone, auch wenn die Titel abgeschafft sind. Bis in die Küche pflanzt sich die Ehrerbietung fort: 'Wie belieben Frau Baronin die Marillenknödel?' Legendär sind im Sacher nicht nur die Marillenknödel, sondern auch die Séparées. Oberkellner Calabrese könnte stundenlang erzählen, doch er ist diskret. Der berühmteste Séparée-Besucher jedenfalls war König Edward von England mit der geschiedenen Wallis Simpson, für die er 1936 auf den Thron verzichtete. Ob Edward auch von der berühmten Torte probiert hat? 900 dieser Kalorienbomben werden am Tag gebacken, 7.000 Eier dafür von Hand getrennt. An Festtagen verschickt das Sacher einige Tausend der Schokoladenwunder bis Tokio und Texas. Berühmt wurde der Wiener Tortenstreit, als eine andere Konditorei das einzig wahre Rezept zu besitzen behauptete.

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