Mein Bauch gehört mir
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats verabschiedete am 16. April 2008 eine Resolution, in der sie den Zugang zu einem sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch auf europäischer Ebene einforderte. Die Resolution bestärkt das Recht der Frau, sich selbstbestimmt für oder gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden. Damit sollen entsprechende Strukturen in den europäischen Ländern geschaffen werden. Im Dezember 2013 scheiterte eine Resolution im Europäischen Parlament, in der das Recht auf Abtreibung gefordert wurde. So sorgt das Thema Abtreibung immer wieder für neue Debatten. ARTE beleuchtet das Thema europaweit.
In Deutschland plädierte AfD-Sprecherin Frauke Petry im August vergangenen Jahres für einen Volksentscheid über Abtreibung und sorgte mit ihrer Äußerung, jede durchschnittliche deutsche Familie solle drei Kinder haben, für Diskussionen. Ungewollt schwangere Migrantinnen in Deutschland und Frankreich gehen ihre eigenen Wege, sie finden anonyme Helfer. Es existiert eine schwer zugängliche Parallelwelt.
In Irland hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein Abtreibungsgesetz erzwungen. Trotzdem erwartet man, dass weiterhin rund 4.000 Irinnen jedes Jahr zum Schwangerschaftsabbruch nach England reisen werden, damit sie dort heimlich und unter medizinisch bedenklichen Umständen abtreiben können. Denn das neu erlassene Gesetz unterstützt weiterhin die gesellschaftliche Stigmatisierung und Moralisierung - genauso wie zuvor. Dasselbe gilt für Polen.
Am 21. September 2015 findet in Berlin der "Marsch für das Leben" statt. Dazu werden Abtreibungsgegner Polinnen mit Bussen nach Berlin schaffen, um eine größere Menge zu bilden. Die Abtreibungsbefürworterinnen rüsten auf und wundern sich über das geringe Interesse der Medien.
In Frankreich wiederum gehen die Gegner der Homo-Ehe lautstark und medienintensiv auf die Barrikaden, viele von ihnen sind auch Gegner der liberalisierten französischen Abtreibungsgesetze - das mobilisiert und eint die konservativen Moralisten Frankreichs.
In Spanien sind - ähnlich wie in den meisten anderen Ländern Europas - Abtreibungen zugelassen. Rajoys konservative Volkspartei hatte sich in ihrem Wahlprogramm darauf festgelegt, die 2010 von den Sozialisten eingeführte Regelung wieder aufzuheben und Abtreibungen grundsätzlich für illegal zu erklären. Damit hätte Spanien sich wieder in die Gruppe katholischer Staaten wie Polen eingereiht, in denen Schwangerschaftsabbrüche verboten sind.
Wie sorgen wir in Europa dafür, dass Kinder in eine ihnen zugewandte Welt geboren werden? Wie kann Frauen geholfen werden, mit dem gesellschaftlichen Tabu, abgetrieben zu haben, umzugehen?