mare TV - China unter Palmen

mare TV - China unter Palmen

Hainan war einmal ein nahezu unberührtes Eiland im Südchinesischen Meer. Jetzt lockt Chinas einzige Tropeninsel als Urlaubsparadies mit Palmen, weißen Stränden und Sonne.

Jährlich kommen etwa 13 Millionen Urlauber, fast ausschließlich Chinesen. Sie tragen schlafanzugähnliche Freizeitkombinationen in schrillen bunten Farben, dazu Sonnenschirmchen. Denn nichts wäre peinlicher, als braun gebrannt nach Hause zu kommen.

Hainan liegt in den Tropen, 2500 Flugkilometer südlich von Peking. Die Trauminsel der Chinesen ist mehr als doppelt so groß wie Schleswig-Holstein und hat über acht Millionen Einwohner. Es grenzt an ein Wunder, dass Hainan ein Touristenmagnet geworden ist, denn in fast allen chinesischen Dynastien diente die Insel früher als Verbannungsort für in Ungnade gefallene Beamte.

Frau Yu ist auf Hainan geboren und arbeitet dort als Reiseleiterin. Ausgestattet mit Megafon und "Hier-bin-ich-Fahne" dirigiert sie die Gäste über die Insel. Zu den beliebtesten Ausflugszielen gehört der "Nanshan Kultur Tourismus Park". Mitten im Meer, über eine Brücke erreichbar, steht das Wahrzeichen des Parks: die 108 Meter hohe Statue zu Ehren der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit - eine Pilgerstätte.

Herr Mao, der mit seinem Namensvetter, "dem großen Vorsitzenden", nur wenig gemein hat, sorgt dafür, dass immer neue Urlaubsquartiere entstehen. Mit dem Luxusquartier "Weltparadies Vogelnest" will der Multimillionär Maßstäbe setzen. Wo früher noch tiefster Dschungel war, sind heute hochkarätige Manager und Staatspräsidenten als Gäste willkommen. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, bekommt eine kurze Führung durch die Ferienanlage, inklusive Gang über die berühmte Hängebrücke. Sie war die Attraktion in einem chinesischen Kinohit.

Herr Liang züchtet Fische im schwimmenden Dorf Lingshui. Längst hat er genug Geld verdient, um sich ein Haus an Land zu bauen. Aber er bleibt dem Meer treu, liebt seine schlichte Hütte auf Styropor-Schwimmern. 3000 Leute leben in der Gemeinde, die nur per Boot zu erreichen ist.

Herr Li besucht gerne seine Verwandten in den Bergen - sofern die Buckelpiste dorthin denn befahrbar ist. Dort oben gibt es noch Dörfer, die aus Sicht der Regierung nicht vorzeigbar sind. Sie entsprechen so gar nicht dem Bild vom reichen, neuen China. In Mo Hao, einem der abgelegensten Dörfer der Insel, leben 150 Menschen. Die Bewohner mögen ihr zurückgezogenes Dasein und halten zusammen. Die alten Frauen im Dorf sind alle tätowiert, als Zeichen, dass sie zur Gemeinschaft gehören. Die 100-jährige Frau Hu wundert sich, was aus ihrer Insel geworden ist: "Tourismus? Wirklich eine sonderbare Idee!"

Bewertung

0,0   0 Stimmen