makro: Revolution aus dem Drucker makro: Revolution aus dem Drucker makro: Revolution aus dem Drucker makro: Revolution aus dem Drucker

makro: Revolution aus dem Drucker

3sat Live-TV 3sat Gestern, 21:00 - 21:30 Uhr
ReportageD 30 Minuten 

3-D-Druck verspricht völlig neue Möglichkeiten für eine nachhaltigere und lokalere Produktion. Schöne neue Warenwelt - wird alles besser durch 3-D-Druck?

Die Warenwelt scheint auf dem Sprung zu einer nächsten Revolution. Wo heute noch gefräst, gegossen und geklebt wird, soll der 3-D-Druck bald schon die traditionelle Fertigung ersetzen und enorme Mengen an Material, Abfall und Energie einsparen.

In der Luftfahrt kommt es auf jedes Kilo an. Im A350 werden schon mehrere Tausend gedruckte Teile verbaut. Bei der Konstruktion werden bionische Prinzipien aus der Natur angewandt, wodurch die Bauteile deutlich leichter werden - sie sind stabiler, obwohl sie aus weniger Material bestehen. Mithilfe von 3-D-Druckverfahren ist es möglich, die effizienten Baupläne der Natur zu imitieren, mit konventionellen Herstellungsverfahren war dies bisher nur sehr schwer möglich.

Doch in der Entwicklungsabteilung von Airbus ist man noch nicht zufrieden. Die gedruckte Kabinentrennwand im A350 ist durch die neue biometrische Struktur zwar um 45 Prozent leichter geworden, doch die Herstellung ist aufwendig und teuer. Allein 900 Stunden dauert die Druckzeit nur einer Trennwand. Ein Problem, das die Druckhersteller seit 30 Jahren noch nicht lösen konnten.

Doch man arbeitet dran. Auch bei Adidas. Nach eigenen Angaben ist der Schuhhersteller derzeit der weltweit größte Hersteller von 3-D-Druck-Komponenten. Adidas nutzt die momentan schnellste Drucktechnologie, die der amerikanische Chemiker Joe DeSimone mit seiner Firma Carbon erfunden hat, um die Mittelsohle neuer Laufschuhmodelle zu drucken. Nachhaltige Materialien sind der nächste Schritt. Bei Carbon in Kalifornien entwickelt man derzeit Lösungen für biobasierte Kunstharze, die ohne Erdöl auskommen. Zudem soll es bald druckfähige Kunstharze geben, die sich ohne Qualitätsverlust wieder verflüssigen und somit vollständig recyceln lassen. In Zukunft soll es dann möglich sein, kundenindividuelle Schuhe zu drucken, die nicht auf dem Müllberg laden, sondern wieder zu neuem Druckmaterial verflüssigt werden können.

In Amsterdam will das Start-up Reflow weggeworfenen Plastikflaschen einen neuen Nutzen verleihen. Das PET-Material von Millionen weggeworfener Plastiktrinkflaschen eignet sich hervorragend für den 3-D-Druck, zum Beispiel für den großen Markt der Prototypen und Lifestyle-Produkte, wie etwa Sonnenbrillen. Gerade erst ist eine neue Fertigungsstraße für recyceltes Filament entstanden, den standardisierten "Kunststoffdraht" auf Spulen. Man will beweisen, dass man mit recyceltem Filament genauso gut drucken kann wie mit erdölbasierten, neuen Kunststoffdrähten, und man will lokale Produktions-Recyclingkreisläufe aufbauen. In Amsterdam und in Indien, wo sich viele Abfallsammler ihren Lebensunterhalt heute schon mit dem Sammeln von Plastikflaschen verdienen - mit der 3-D-Drucktechnologie ist es möglich, lokale Mini-Ökonomien aufzubauen.

Die 3-D-Druck-Industrie expandiert rasant. Den Markt der Prototypen hat sie schon erobert. Nun ist der 3-D-Druck auf dem Sprung zur Integration in Fertigung von Endprodukten. An die Stelle der analogen massenindustriellen Produktion des "immer mehr vom Gleichen zu immer günstigeren Preisen" - mit hohen sozialen und ökologischen Kosten - könnten individuellere Produkte aus flexibleren, kleinteiligeren, lokalen und ökologischeren Produktionsweisen treten, die nach Bedarf produziert werden können. Wenige Pioniere machen dies bereits vor.

"makro" beleuchtet die neue Fertigungstechnik und fragt, wie das moderne Verfahren Industrie und Logistikbranche in den kommenden Jahren verändern könnte.

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