Ludwig der Heilige im Lichte der Sainte-Chapelle
1214 geboren, bleiben Ludwig IX. nur weniger Jahre unbeschwerter Kindheit. Nach dem Tod seines Vaters wird er schon im Alter von zwölf Jahren zum König von Frankreich gekrönt. Frankreich ist zu jener Zeit noch ein feudales System. 1239 erhält Ludwig IX. die Dornenkrone - Sinnbild für Jesus Christus - aus Rom. Ludwig trägt sie selbst nach Paris, wo er 1241 eigenständig die Erbauung der Sainte-Chapelle anordnet, um darin sie standesgemäß bewahren zu können.
Die Sainte-Chapelle wird somit zur Metapher des heiligen Schutzes über König, Paris und das französische Reich zugleich. Ihre Fenster zeigen in prachtvoller Inszenierung und höchster gotischer Kunst verschiedene Bilder der biblischen Geschichte - jeder Fensterfront lässt sich ein Buch des Alten Testaments zuweisen.
Nach einem gescheiterten Kreuzzug und sechs Jahren Gefangenschaft in Ägypten kehrt Ludwig IX. 1256 verändert nach Paris zurück, reformiert den Staat, stärkt ihn und bringt ihn auf den Weg in Richtung Zentralstaat. Dieses politische Handeln erklärt den Fund juristischer Texte in der Sainte-Chapelle. Seinem Bestreben eines zentralistischen französischen Staates verleiht zudem Ausdruck, indem er die Kontinuität der nationalen Geschichte von den Merowingern über die Kapetinger hin zu den Karolingern beschwört, und so das Einheitsbewusstsein der Franzosen stärkt.
1270 stirbt Ludwig IX. während eines Kreuzzuges in Tunis, seine Gebeine werden nach Frankreich überstellt, rasch wird er als Wohltäter und Märtyrer, als König der Gerechtigkeit, dargestellt. Nach seinem Tod 1270 festigt sich dieses Bild noch weiter - 1297 wird er heilig gesprochen.
Die Dokumentation liefert anhand beeindruckender Bilder der Sainte-Chapelle in Paris Einblicke in das bewegte Leben eines außergewöhnlichen Herrschers, seines Verständnisses von Frankreich und die Kontinuität seiner Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart.