Lech Walesa, ein Porträt

Lech Walesa, ein Porträt

Vom Werftarbeiter zum Staatspräsidenten: Der strenggläubige Katholik und Vater von acht Kindern aus dem Dorf Popowo in Nordpolen ging 1967 zur Lenin-Werft in Danzig. Der junge Schiffselektriker erlebte im Dezember 1970 seine politische Taufe, als Miliz und Armee Arbeiterproteste gegen Preiserhöhungen blutig niederschlugen. Walesa engagierte sich für verfolgte Kameraden und gründete 1978 mit anderen eine im Untergrund agierende Gewerkschaft Solidarnosc. Im August 1980 übernahm er die Streikführung in seiner Werft und bald darauf die Leitung der Gewerkschaft. Nach der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 1981 wurde er interniert. Zwei Jahre später bekam Walesa den Friedensnobelpreis. 1988 versuchte er nochmals sein politisches Glück. Zwei Streikwellen zwangen das geschwächte kommunistische Regime zu Verhandlungen mit der Opposition. Der Kompromiss am Runden Tisch, bei dem Walesa eine entscheidende Rolle spielte, ebnete den Weg zu demokratischen Reformen in Polen. 1990 wurde Walesa der erste demokratische Präsident Polens. Verlassen von den meisten früheren Weggefährten, verlor Walesa 1995 den Kampf um die Wiederwahl. Inzwischen ist er eine lebende Legende und ein wertvoller Zeitzeuge der polnischen Geschichte von den 70er Jahren bis heute. Wie wurde aus diesem unbekannten katholischen Arbeiter vom Land der große Politiker, der ganz Europa in neue Bahnen lenkte? Wie gelang es Lech Walesa, sein Land ganz ohne Blutvergießen zu demokratisieren? Unveröffentlichte Archivaufnahmen und ein Interview des polnischen Regisseurs Andrzej Fidyk mit dem großen Staatsmann zeigen Lech Walesa als überzeugten Demokraten, geschickten Diplomaten und großartigen Visionär. Heute, wo die polnische Demokratie ernsthaft gefährdet ist, steht Lech Walesa erneut in der Kritik. Man würdigt seine Errungenschaften herab, bezichtigt ihn der Spionage für das kommunistische Polen. Doch andere sehen in ihm noch immer den großen Politiker, der Patriotismus mit Europabegeisterung vereinen konnte und das Schicksal seines Landes noch heute erheblich beeinflusst.

Bewertung

0,0   0 Stimmen