Irak - Das Erbe der Amerikaner

Irak - Das Erbe der Amerikaner

Fast täglich werden in Bagdad wieder tödliche Anschläge verübt, seit die Amerikaner abgezogen sind. Die irakische Regierung könne sich jetzt selbst verteidigen, hatte US-Vizepräsident Joe Biden noch bei seinem Besuch in Bagdad Ende November gesagt. Bis zum 31. Dezember haben fast alle amerikanischen Soldaten das Land verlassen; jetzt ist der Irak wieder auf sich gestellt. Selbst harte Gegner der amerikanischen Truppenpräsenz sehen die Zukunft ihres Landes aber mit sehr gemischten Gefühlen. Die Sicherheitskräfte gelten als immer noch zu schlecht ausgebildet und auch als korrupt. Nach wie vor gibt es Probleme mit Strom und sauberem Wasser, die Sicherheitslage ist zwar deutlich besser geworden in den letzten Jahren. Doch nach wie vor ziehen es viele Iraker vor, im Exil zu leben, im kurdischen Norden, in Jordanien oder selbst in Syrien, weil sie dem Frieden noch nicht trauen. Jörg Armbruster, der vor und nach dem Krieg 2003 regelmäßig aus dem Irak berichtet hat, reiste im Dezember und Januar nach Bagdad, um dort eine Bestandaufnahme der letzten Wochen zu machen. Er besuchte Familien, denen er schon unmittelbar nach dem Krieg begegnet war und denen es heute nicht viel besser geht als vor ein paar Jahren. Er trifft Iraker, die für die Amerikaner gearbeitet haben und die jetzt um ihr Leben fürchten, weil sie als Kollaborateure gebrandmarkt sind. Und er porträtiert einen irakischen Exwiderstandskämpfer, der von den Amerikanern als Terrorist ins Gefängnis gesperrt wurde. Mit irakischen Sicherheitskräften, die immer wieder Ziel von Anschlägen sind, geht er auf Patrouille und besucht die Hochburg des radikalen Schiitenpredigers Muqtada al Sadr. Bei den Sunniten, die ihre Machtpositionen seit dem Fall Saddam Husseins verloren haben, versucht er, Stammesführer in Falludscha zu treffen, die heute den politischen Widerstand gegen die schiitische Übermacht organisieren.

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