Ich verzeihe nichts

Ich verzeihe nichts

Im August 1937 beginnt in der Sowjetunion der Große Terror. Eine gigantische Welle von Verhaftungen überzieht das Land und hält die Menschen in Atem. Etwa fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung werden durch Untersuchungsgefängnisse geschleust, das sind etwa acht bis neun Millionen Menschen. Die große 'Säuberung' - so nennt Stalin diese Endabrechnung mit seinen Gegnern. Besessen von der Idee der vermeintlichen Bedrohung durch eine innere Opposition, führt er in Wirklichkeit längst Krieg gegen das eigene Volk. Frauen von Männern, die zur Elite gehörten, werden nach der Verhaftung der Männer automatisch auch zu Volksfeinden. Hunderttausende Frauen werden in Lager und in die Verbannung geschickt. Es gibt nichts, was man ihnen vorwerfen könnte - außer, dass sie Töchter oder Ehefrauen sind. Für diese Frauen gibt es eigene Lager, in denen sie ein Leben in Entbehrung und Demütigung führten. Dazu kommt noch, dass sie ihre Kinder zurücklassen müssen. Die meisten werden in Sonderkinderheime gesteckt und sehen die Mütter erst wieder, wenn sie erwachsen sind. 'Die glücklichste Zeit für mich war, bis ich 15 Jahre alt war,' erzählt Valentina Tichanowa, deren Eltern beide verhaftet wurden. 'Es ist ein Quatsch, dass die Zeit die Wunden heilt. Ein völliger Quatsch. Ich bin böse wie niemand sonst auf der Welt. Ich verzeihe nichts.' Seit Jahren recherchiert die Publizistin und Historikerin Irina Scherbakowa für die Menschenrechtsorganisation 'Memorial' das Schicksal dieser Frauen. Sie durchstöbert Tausende Biografien, Erinnerungen, Dokumente, Fotos und Briefe, die in Archiven gesammelt wurden - Lebensschicksale, die auf eine sehr persönliche Weise die menschenverachtende Politik des Sowjetregimes dokumentieren. Vier dieser Frauen hat Regisseurin Eva Gerberding zusammen mit Irina Scherbakowa aufgesucht.

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