Holunderblüte

Holunderblüte

Der Film erzählt die Geschichte einer Landschaft Ostpreußens und seiner Bewohner. Ostpreußen ist eine geschichtsträchtige Gegend: Während der europäischen Kriege wurde es immer wieder neuen Herrschern unterworfen, zerteilt und neu gegliedert. Die Vertreibungen, Ansiedlungen, Umsiedlungen und Plünderungen des letzten Jahrhunderts spiegeln sich in der Architektur und in den Biografien der Ansässigen wider. Einst lebten hier Deutsche, Polen, Litauer und Juden nebeneinander und miteinander, jeder seine Nationalität, jeder seine Religion. Dazu kommt die besonders exponierte Lage: Das nördliche Ostpreußen um Kaliningrad ist eine russische Exklave zwischen den EU-Staaten Polen und Litauen. Volker Koepp erschließt sich mit 'Holunderblüte' einen neuen Ansatz. Diesmal möchte er die ihm vertraute Kulturlandschaft in ihren Auflösungserscheinungen über den ganz gegenwärtigen Blick der Kinder erzählen. Geboren in den 90ern, als es schon keine Sowjetunion mehr gab, sondern in Russland, sind den Kindern und Jugendlichen die Umrisse des ehemaligen Ostpreußens nur noch aus Schulbüchern bekannt. Die Gegenwart vieler Kinder ist geprägt von Perspektivlosigkeit und Verarmung. Die Eltern haben oft keine Arbeit und der Alkohol spielt eine große Rolle. Der Film wird als Reise strukturiert, die von Ort zu Ort führt und zu der auch zufällige Begegnungen gehören. 'Holunderblüte' ist auch eine wiederholte Befragung der Themen von Volker Koepp, die nichts an Bedeutung verloren haben. Fragen nach Identität, Heimat und Erinnerung und wie sich dies auf die Befindlichkeit der Bewohner auswirkt, wie Geschichte sich in Geschichten erfassen lässt, das ist immer wieder das Universelle an Koepps Filmen. So wie Ostpreußen ein versunkenes Land ist, so interpretiert Volker Koepp auch Kindheit als ein entschwundenes Land. Aus dieser Parallelisierung entwickelt er sein poetisches Zentrum, aus dem heraus die einzelnen Geschichten erzählt werden.

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