Heer, Stahl und Sturm

Heer, Stahl und Sturm

Das Erste Live-TV Das Erste 12.07., 00:05 - 01:35 Uhr
Dokumentation90 Minuten 

Bislang waren ihre Mandanten Wirtschaftsbosse oder Islamisten. Jetzt verteidigten sie die wohl bekannteste Gefangene der Bundesrepublik.

Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm sind Strafverteidiger von Beate Zschäpe. Sie steht als mögliche Mittäterin der terroristischen, rechtsextremen Anschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds " in München vor Gericht. Mehr als fünf Jahre dauert das Verfahren. Es geht um zehn Morde, zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle.

Dieser Film begleitet die drei jungen Verteidiger seit 2013 exklusiv durch einen der wichtigsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Es sollte der Fall ihres Lebens werden.

Zu Beginn ist die Stimmung angriffslustig und optimistisch: "Welche Risiken sehen Sie für sich, Ihre Kanzlei, Ihre Familien?" "Überhaupt keine!", lautet die Antwort damals. Der Prozess: eine Karrierechance, eine Herausforderung. Der Fall: nicht anderes zu behandeln als jeder andere. Ihr Ideal: Jeder hat das Recht auf eine gute Verteidigung - auch eine mutmaßliche Neonazi-Terroristin.

"Unser Rechtsstaat ist nur dann stark, wenn Menschen wie Beate Zschäpe bestmöglich verteidigt werden", sagt Anja Sturm.

Für die Angehörigen der Opfer, wie Familie Yozgat aus Kassel, ist dieses Verfahren viel mehr als ein Strafprozess. Sie alle haben die Hoffnung zu erfahren, wieso gerade ihre Väter, Brüder und Söhne sterben mussten. Sie fordern Wahrheit und Wiedergutmachung.

Wolfgang Heer und seine Kollegen vertreten allein die Interessen von Beate Zschäpe. Und das wird einen Preis haben. Die Kamera ist dabei, als schon kurz nach Prozess-Beginn im Sommer 2013 der Umzugswagen wegen des "Killermandats" kommt: "Anja Sturm verliert Job und Heimat. Flucht aus Berlin", lautet die Schlagzeile. Am selben Tag räumt sie barfuß die Akten in die Kanzlei von Wolfgang Heer und öffnet den ersten Bedrohungsbrief unter neuer Anschrift: "Willkommen in Köln. Freuen Sie sich schon mal auf die, die da kommen werden. Erst im Geiste die Toten und dann die Lebenden, die ein Messer oder etwas anderes mitbringen werden."

"Heer, Stahl und Sturm" ist eine Geschichte hinter den Kulissen des sogenannten NSU-Prozesses. Es ist auch die Geschichte zur Frage: Wie fair und rechtsstaatlich reagiert ein Staat, eine Gesellschaft, wenn sie auf diese Weise von mutmaßlichen Rechtsterroristen angegriffen wird? Wie erleben das die, die "das Böse" verteidigen? Die sich, wie es ihre Kollegen schon zu Beginn des Prozesses formulierten, "für die falsche Seite entschieden" haben?

Die Filmemacherin Eva Müller hat die drei Anwälte über die gesamte Prozess-Dauer von mehr als fünf Jahren begleitet. Herausgekommen ist eine einzigartige filmische Dokumentation.

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