Frühmorgens in den Salinen von Trapani

Frühmorgens in den Salinen von Trapani

Ein trockenes Lüftchen weht übers Meer. Antonino Gucciardo ist zufrieden, denn das hilft bei der anstehenden Ernte in seiner Saline. Das Wasser verdunstet schneller, und das ist gut für das Produkt. Seit über tausend Jahren wird in Trapani an der Westküste Siziliens Meersalz gewonnen.
Die Familie Gucciardo betreibt eine der noch ganz traditionell betriebenen Salinen hier. Morgens um fünf Uhr steht der 81-jährige Seniorchef Antonino Gucciardo auf. Er hat die Saline zwar offiziell schon längst seinem Sohn Vincenzo übergeben, aber jetzt im August bei der Salzernte hören alle auf seinen Rat. Es ist noch dämmrig, wenn Antonino, Vincenzo und dessen Bruder Salvatore mit der Arbeit beginnen. Es gilt, die wenigen kühlen Stunden des Morgens zu nutzen, bevor das Thermometer später auf über 30 Grad Celsius klettert.
Bis September muss die Ernte eingebracht sein. Mit Schaufeln und Schubkarren ernten die Gucciardos und die engagierten Saisonarbeiter das Salz aus den flachen Becken und schütten es zu großen, weißen Haufen auf. Die Wasserregulierung von Becken zu Becken ist eine Kunst, die Antonino Gucciardo meisterhaft beherrscht. So steigert sich der Salzgehalt des Wassers durch Verdunstung von Becken zu Becken. Je mehr Wind, desto höher die Verdunstung. An solchen Tagen bildet sich auf dem Wasser eine feine Salzkruste: Fiore di Sale. Diese "Salzblume" ist das kostbarste Produkt der Saline. Vincenzo Gucciardo erntet es mit einem an einen Schneeschieber erinnernden Gerät.
Auch der Vertrieb des Salzes ist Familiensache. Darum kümmert sich Salvatore Gucciardo. Mit sizilianischen Aromen von Orange und Limone verfeinert und in kleinen Döschen verpackt, wird das Fiore di Sale auch ins Ausland geliefert. "Salz ist mein Leben", sagt Antonino Gucciardo und schaut seinen Salzkristallen beim Wachsen zu.

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