Frühmorgens in den Bernsteinwellen vor Nida

Frühmorgens in den Bernsteinwellen vor Nida

Die Kurische Nehrung, eine schmale Landzunge an der Ostseeküste Litauens, ist berühmt für ihre Bernsteinvorkommen. Im Herbst, wenn Stürme das Meer aufwühlen, wird das versteinerte Baumharz an den Strand gespült. Das ist die Stunde der Bernsteinfischer. Kazimieras Mizgiris aus Nida ist einer von ihnen. Ganz früh, noch vor Sonnenaufgang, macht er sich mit seinem Kescher auf den Weg zum Strand. Er will vor allen anderen da sein und sein Glück versuchen.
Bernstein schwebt im Salzwasser. Der Bernsteinfischer beobachtet die Gischt. Für Bruchteile einer Sekunde blitzen zwischen den Schaumkronen die gelben Bernsteinbrocken auf, die er dann mit dem Kescher zu fangen versucht. Eine mühevolle und gefährliche Arbeit. Denn die Bernsteinfischer müssen aufpassen, dass die Wellen sie nicht mitreißen und fortspülen.
Zum Aufwärmen zwischendurch gibt es Bernsteinschnaps, selbst gebrannt aus Wodka und kleinen Bernsteinstückchen, die dem Getränk einen harzigen Geschmack verleihen. Als Kazimieras Mizgiris 1969 zum ersten Mal auf die Kurische Nehrung kam, war er von der Ursprünglichkeit dieser kargen Dünenlandschaft fasziniert. Der Bernstein wurde zu seiner Berufung. Im Fischerdorf Nida betreibt Kazimieras ein kleines Bernsteinmuseum mit wertvollen Fund- und Schmuckstücken. Und in seiner Werkstatt gleich an der Strandpromenade verarbeitet er selbst seine Bernsteinfunde zu modernen Anhängern. Die vielen Sommergästen, die Nida auf der Suche nach Spuren des alten Ostpreußen besuchen, überrascht Mizgiris damit, dass aus den fossilen Harzklumpen viel mehr entstehen kann als nur Omas Bernsteinkette.

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