Flohmarktfieber

Flohmarktfieber

In Tostedt herrscht am ersten Samstag im Oktober Ausnahmezustand. Dann ist in der Ortsmitte von 10 bis 18 Uhr Norddeutschlands größter Flohmarkt.Um 5.00 Uhr herrscht bereits Chaos in der niedersächsischen Kleinstadt. Eine Blechlawine zieht sich durch die Hauptstraße, Stopp-and-go-Verkehr. 'Eine halbe Stunde später geht hier gar nichts mehr - deswegen fahren viele so früh los, damit sie direkt an ihren Stand ranfahren können', erklärt Ralf Gerlach, Marktmeister und Herr über die Trödelstände und das Organisationsteam. Viele der Trödler kommen schon seit Jahren nach Tostedt, wie Familie Inselmann, die mit einer acht Mann starken Truppe anrückt. Man kennt sich. Große Begrüßung, großes Hallo. Ausladen und Aufbauen, vor allen Dingen die Pavillons, falls es mal wieder regnet. Es ist nicht viel Zeit: Um 7.00 Uhr, wenn die Schnäppchenjäger kommen, muss alles fertig sein. Hektisches Treiben. Der erste Zoff lässt nicht lange auf sich warten. Auf der Straßenseite gegenüber streiten sich zwei benachbarte 'Verkäufer' lautstark über die Standgrenzen. Es geht um Zentimeter - Ralf Gerlach muss schlichten. Ordnung muss sein, weiß Ralf Gerlach, bei über 700 Ausstellern auf 6.600 Metern Standfrontfläche herrscht sonst schnell Chaos. Er hat alles im Griff: Dieses Mal kriegt Vater Sonnenschein (60) sein Fett weg: 'Junger Mann, der Pkw kann so nicht stehen bleiben, das solltest du doch inzwischen wirklich wissen', raunzt Gerlach ihn an. Die Flohmarktaufsicht kontrolliert wie jedes Jahr an diesem Tag alles, hilft, beantwortet Fragen, gibt Tipps und Ratschläge. Er ist gleichermaßen die 'gute Seele' und 'der Sheriff' vom Flohmarkt.Die ersten Flohmarktgäste trudeln ein, wühlen auf den Tischen, fragen nach Preisen, begutachten die Ware. 'Immer das gleiche', stöhnt Vater Inselmann, 'wir haben noch nicht fertig aufgebaut, und die ersten Kunden bringen schon wieder alles durcheinander.' Kurz nach 7.00 Uhr steht die familiäre 'Zehn-Meter-Stand-Burg'. Zeit für einen Kaffee, selbst gemachte Schnittchen und Frikadellen. Kurze Zeit später füllen sich die Straßen.

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