Fischer, Schily: 'Mein 11. September!'

Fischer, Schily: 'Mein 11. September!'

Berlin, 11. September 2001, 15.00 Uhr. Außenminister Fischer kommt gerade von einem Mittagessen mit dem jemenitischen Amtskollegen ins Büro. Seine Mitarbeiter haben sich im Vorzimmer vor dem Fernseher versammelt und starren entsetzt auf den Bildschirm. Ein Flugzeug sei in das Word Trade Center gestürzt. Das Telefon klingelt. Der griechische Außenminister will Fischer sprechen. Beiläufig fragt Fischer, ob Papandreou wisse, was in New York los sei. Nein. Zurück im Vorzimmer sieht Fischer, wie ein zweites Flugzeug in den Südturm kracht. 'Da war mir klar, das ist ein Terroranschlag, das ist kein Unfall - und ich sagte: Gebt mir den Bundeskanzler!' Zur gleichen Zeit erfährt Innenminister Schily zu Hause von dem Anschlag. 'Ich bin sofort ins Auto gestürzt, ins Kanzleramt gefahren.' Gleichzeitig versucht er verzweifelt, seine Tochter zu erreichen: Sie arbeitet unweit des World Trade Centers. Keine Verbindung. Zusammen mit Uwe-Karsten Heye und Peter Struck finden Fischer und Schily Bundeskanzler Schröder vor, wie er noch immer 'fassungslos' vor dem Fernseher sitzt: Aus den brennenden Türmen springen Menschen in den sicheren Tod. Die deutschen Politiker empfinden gleichermaßen Entsetzen wie blitzschnell steigenden Druck zu handeln. Aber wie und was? So verwirrend beginnt diese dramatische Zeit deutscher Außenpolitik. Die ARD-Dokumentation von Stephan Lamby und Michael Wech beschreibt erstmalig diese Phase - der 11. September und die Entscheidungen zu den Kriegen in Afghanistan und Irak - aus der sehr persönlichen Sicht deutscher Regierungsmitglieder. In bislang unbekannten Details schildern die Autoren, was am Tag des Angriffs und den Monaten danach hinter den Kulissen der Berliner Regierung passierte. Schon kurz nach den Anschlägen gruppiert sich ein Krisen-Kabinett um Kanzler Schröder - es sind seine engsten Mitarbeiter. Sie haben Wochen und Monate höchster Anspannung und schlafloser Nächte vor sich. Otto Schily und Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier fürchten Anschläge im eigenen Land.

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