Ein Hauch von Moskau in Magdeburg - Die Stalinbauten

Ein Hauch von Moskau in Magdeburg - Die Stalinbauten

Magdeburgs Mitte ist nicht wirklich der Alte Markt oder der Domplatz. Es ist ein früherer Aufmarschplatz für 150.000 Menschen, der so genannte "Zentrale Platz" an der ehemaligen Wilhelm-Pieck-Allee. Heute lockt hier ein grüner Park mit Brunnen und Plastiken. Drumherum stehen repräsentative Bauten, stattliche Wohnpaläste aus der Stalinzeit. Axel Bulthaupt ist beindruckt. Die Häuser aus den Anfangszeiten der DDR zeigen sich in der Frühjahrssonne in voller Pracht: Helle Farben, Säulenverziert, die Eingänge geschmückt mit steinernen Gravuren, wunderschöne Loggien, ein Hauch von Moskau, mitten in Magdeburg.

Doch diese Bauten erinnern auch an eine bisher nicht erzählte Geschichte: Nach dem furchtbaren Bombardement im Januar 1945 war Magdeburg nur noch eine Trümmerwüste, nichts war geblieben vom Glanz einer der schönsten Altstädte Deutschlands. Die Elbestädter aber ließen sich nicht unterkriegen und entwarfen eine neue Stadt. Die Entwürfe allerdings fanden in Berlin wenig Anklang. Walter Ulbricht persönlich bemängelte, dass den Magdeburgern der Sinn für die "16 Grundsätze der sozialistischen Großstadt" fehle, vor allem ein zentraler Platz, auf dem "150.000 Menschen 2 bis 3 Stunden" an einer Tribüne vorbeiströmen können, flankiert von repräsentativen Großbauten.

Da war kein Platz mehr für die älteste Kirche Magdeburgs, die über 1.000 Jahre alte Ulrichskirche. 1956 wurde sie gesprengt. Damit war Platz für die großen Wohnpaläste der Stalinzeit - eine bis heute beeindruckende Mischung aus Kitsch, Komfort und Klassizismus. Wohnungen mit Parkett, Fernwärme, außergewöhnlichen Grundrissen und sogar mit Aufzügen, nie ist in der DDR so kreativ und aufwendig gebaut worden.

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