Echt - spezial

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Im August 1980 reicht es den Genossen: In der DDR wird das Drachenfliegen verboten - als einzigem Land der Welt. Zu groß ist bis dahin die Szene derer geworden, die den Traum vom einfachen, lautlosen Fliegen leben - und die im Lande des Mangels spektakuläre Fluggeräte bauen. So, wie der Bäcker Thilo Schwarz aus Sachsen-Anhalt. Seine Drachenflieger entstehen aus Fichtenholzleisten und Anorakstoff. Andere Flugpioniere konstruieren aus Alu-Stangen ausgemusterter Linienbusse und Staubsaugerrohren ihre Modelle. Sie waren Bastler, Ingenieure, Freigeister. Auch DDR-Rennrodel-Legende Hans Rinn wird in den 70ern vom Fliegerfieber angesteckt. Er darf für Sportwettkämpfe in den Westen reisen und schmuggelt von dort fertige Drachenflieger in die DDR.

In waghalsigen Selbstversuchen versuchen die mitteldeutschen Lilienthals, ihren Drachen die Geheimnisse der Aerodynamik zu entlocken. Dann aber werden die wilden Flieger zum Objekt der Stasi, denn diese wittert Fluchtgefahr. Die Fliegerkarriere von Thilo Schwarz endet abrupt im Stasi-Knast. Peter Eckstein, Berti Bienert und all die anderen Flugverrückten können nicht davon lassen. Sie müssen einfach weiter fliegen - nun allerdings im Ausland. In Tschechien wird das Dorf Rana zu ihrem Fliegerexil.

Heute stürzen sie sich wieder von Hängen an Saale oder Unstrut, fliegen hunderte Kilometer weit, nur getragen von heißer Luft. Sie steigen bis zu 3.000 Metern auf und sind oft mehr als neun Stunden unterwegs. Dabei kann alles außer Kontrolle geraten, wie 2007. Damals trieb die Thermik die deutsche Gleitschirm-Weltmeisterin Ewa Wisnierska erst in eine Gewitterwolke, dann auf 9.000 Meter Höhe, bei 40 Grad minus. Dort wurde sie bewusstlos.

"Echt" enthüllt die Geheimnisse von Aerodynamik und Thermik des Gleitschirmfliegens. Moderator Sven Voss trifft die mitteldeutschen Lilienthals, sie erzählen die schier unglaublichen Geschichten vom Verbot des Drachenfliegens und ihrem Exil in Tschechien.

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