Drei Kinder, vierzig Kühe

Drei Kinder, vierzig Kühe

Was wünscht sich die zwölfjährige Larissa am Neujahrsmorgen? 'Dass wir als Familie wenigstens zwei, drei Tage pro Jahr wegfahren können, es muss ja nicht weit sein. Mal eine Nacht woanders schlafen, das wäre super.' Larissa, ihre jüngere Schwester Diana und ihr kleiner Bruder Florian leben mit Eltern und Großeltern in einem 500-Seelen-Dorf am Rand des Schwarzwaldes. Andere kommen hierher zum Urlaubmachen, aber als Kleinbauern mit vierzig Kühen im Stall können die Zehles von Ferienreisen nur träumen. An Silvester waren sie ausnahmsweise mal essen, doch lange vor Morgengrauen stehen Tina und Bernhard auch an Neujahr bei eisiger Kälte wieder im Stall: füttern, melken - wie jeden Morgen und jeden Abend. An 365 Tagen im Jahr. Hat ihr Familienbetrieb überhaupt eine Zukunft? Auf dem Hof lasten Altschulden. Das Milchgeld reicht kaum zum Überleben, geschweige denn für dringend notwendige Neuinvestitionen: Der alte Stall müsste umgebaut werden, die Schlepper sind eigentlich schrottreif, am Wohnhaus gäbe es viel zu tun. 'Einige haben uns geraten, den Hof samt Stall komplett abzureißen und neu zu bauen', erzählt Tina. Die 36-Jährige ist gelernte Bauzeichnerin, 'aber eigentlich wollte ich ja schon immer Bäuerin werden'. Ein Glücksfall für Bernhard (48), der lange nach einer passenden Frau gesucht hat. Tina hat einen kleinen Hofladen eröffnet, der zusätzliche Einnahmen bringen soll. Sie vertreibt selbstgebackenes Brot, Käse aus dem Nachbardorf und andere regionale Produkte. Und Bernhard ersteigert einen gebrauchten Verkaufswagen, mit dem beide zusätzlich noch auf Märkte im Umland gehen wollen. Tinas Arbeitstag beginnt jetzt noch früher. Um 3.00 Uhr muss sie aufstehen, um den alten Backofen anzuheizen. Teig kneten, Bleche voller Brot und Kuchen vorbereiten. Vor 22.00 Uhr kommt sie selten ins Bett. Kinder, Kühe, Haushalt, ein Blumenacker, die Märkte, der Hofladen: 'Zeit für mich bleibt da eigentlich nicht', sagt Tina lächelnd. Eine nüchterne Feststellung, keine Klage. Bernhard stapft im nasskalten Frühjahr durch abgesoffene Kornfelder, der erste Grasschnitt ist dürftig. Wird er am Ende des Sommers genug Futtermittel für seine Kühe haben? Muss er zukaufen? Und wovon soll er das bezahlen? In der Familie packen alle mit an. 'Auch die Kinder, anders geht es nicht', sagt Tina. Diana hilft regelmäßig im Hofladen, Larissa im Stall. Aber die beiden Schwarzwaldmädchen wissen auch die Vorteile des Landlebens zu schätzen: Dorffeste, Freunde, die ganz nah wohnen, mal eine Nacht im Zelt verbringen oben am Waldrand - welches Stadtkind kann das schon? Von Silvester bis Erntedank hat '37°' die Familie auf dem kleinen Schwarzwaldhof begleitet - zwischen Landlust und Landfrust.

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