Die Zeit, die man Leben nennt

Die Zeit, die man Leben nennt

Der junge, sympathische Pianist Luca (Kostja Ullmann) steht vor dem unmittelbaren Durchbruch zu einer internationalen Karriere, als ein Unfall ihn all seiner Träume und Hoffnungen beraubt. Von der Hüfte an gelähmt verfällt er in eine tiefe Depression, aus der ihn weder seinegroßeLiebe Josephine (Cheyenne Rushing), noch seine geschiedenen Eltern herausreissen können. Völlig in sich zurückgezogen, beschliesst Luca, seinem Leben ein Ende zu setzen, als er wider Willen in der Reha-Klinik die Bekanntschaft des unkonventionellen Roderick (Hinnerk Schönemann) macht. Roderick, genannt Rod, ist ebenfalls an den Rollstuhl gefesselt und weiss, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Aber er rebelliert dagegen, ist voller Energie und Lebensfreude und reisst damit Luca, den er als Prinz Jammerlappen bespöttelt, aus seiner Lethargie. Luca erkennt, dass es noch andere Werte im Leben gibt, als die seinen. Aus anfänglicher Abneigung erwächst eine tiefe Freundschaft. Gemeinsam beziehen die beiden ein Haus und beginnen, ihr Leben neu zu organisieren. Selbstmitleid oder Lebensmut, Aufgeben oder Kämpfen, Einsamkeit oder Freundschaft - das sind die Themen, um die der Film kreist. Sharon von Wietersheim erzählt stilsicher und stimmig, ohne zu viele Worte zu machen. Sie findet gemeinsam mit ihrem Kameramann David Sanderson die richtigen Bilder, ohne artifiziell zu sein, und die Musik (Komponist: Wolfram de Marco) stützt die Geschichte, ohne sie zu erdrücken. Sogar als es um die Frage geht, ob und wie die jungen Männer ihre Sexualität leben können, sind die Szenen ohne Schmalz oder falsche Scham. Und auch die Besetzung überzeugt: Kostja Ullmann (Sommersturm, Der verlorene Sohn) als sensibler, verunsicherter Luca und Hinnerk Schönemann (Prager Botschaft) als Roderick, dessen ehrliches und schonungsloses Spiel, ohne nach Mitleid zu heischen, zu Tränen rührt.

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