Die Toringi - Europäische Macht aus dem Thüringer Becken
Europa im 5. Jahrhundert war die Zeit der Völkerwanderung über den Kontinent, die bestehenden politischen Strukturen zerfielen und bildeten sich neu. So entstand das Thüringer Königreich.
Für einen Wimpernschlag der Geschichte gehören die "Toringi" zu den mächtigsten Kräften in Europa. Im Bündnis mit den Ostgoten unter der Führung Theoderichs sind sie unschlagbar. Erst als Theoderich stirbt, stoßen die Franken vor.
Sie schlagen an der Unstrut im Jahr 531 die Thüringer vernichtend. Das Königreich geht unter. Schriftliche Überlieferungen gibt es kaum. Trotzdem gibt es Nachrichten aus dem Thüringer Königreich. Die Erde gibt sie frei - beim Bau von Autobahnen, Bundesstraßen, ICE-Trassen. Stück für Stück fügen Archäologen Geschichte zusammen - Knochen, Tonscherben, Schmuckstücke, Grabbeigaben. Ein Puzzle über Jahrzehnte. Einzelschicksale werden sichtbar. Wie das eines Adeligen aus dieser Zeit, gefunden 2010 in Leubingen. Ein Reiter mit Pferden, Hunden und reichen Beigaben bestattet. Seine Gürtelschnalle ist eine kunsthandwerkliche Meisterleistung, kostbar verziert, mit Almandinen besetzt. Die Spur führt in die Schweiz nach Basel. Zu einem Verwandten? Denn auch in Basel wurde ein Reiter mit fast identischer Gürtelschnalle gefunden. Familienstücke? Modeerscheinung? Rangabzeichen der Toringi? Wie groß war das Thüringer Königreich und wo war das Zentrum dieser europäischen Macht? War ihr Sitz im Thüringer Becken und wurde vor den Toren Erfurts, der Thüringer Landeshauptstadt von heute, schon vor 1500 Jahren Europapolitik gemacht? Akribisch vergleichen die Archäologen neue und alte Funde und es scheint, als könnte manch weißer Fleck der Geschichte Konturen bekommen.