Die Sportfalle

Die Sportfalle

Der Film zeigt, wie Olympia und WM bisher der Demokratie schaden, die Steuerzahler betrügen, den lokalen Sport ausbremsen und die Volkswirtschaft beschädigen. Und welche Visionen diejenigen haben, die das ändern wollen.
Olympische Spiele in Rio - bei den Bürgern herrscht keine große Feierlaune. Die Brasilianer leiden unter einer Staats- und Wirtschaftskrise. Und darüber hinaus sind die Wunden der Fußball-WM 2014 noch lange nicht verheilt. Leerstehende, vergammelnde Stadien, wohin man schaut, für deren Kosten die Steuerzahler aufkommen müssen. Zig Prozesse wegen Korruption und überhöhter Rechnungen. Hohe Summen an Schmiergeld sind für die Bauaufträge zwischen Firmen und Politikern verschoben worden. Demósthenes Albuquerque, Staatsanwalt beim Rechnungshof in Brasilia, ist frustriert von seinen eigenen Ermittlungen: "Es gab keine ernsthaften Kontrollen, oder Studien im Vorfeld. All unsere Bemühungen gingen in der allgemeinen Euphorie unter." Staatsanwälte in Brasilien sprechen Klartext und erklären das System der Schwarzen Kassen und überteuerten Rechnungen rund um die Baustellen von Olympischen Spielen und WM.
Auch für den Olympiapark werden wieder Menschen aus ihren Wohnvierteln vertrieben. Maria da Penha aus der Favela Vila Autódromo kämpft dagegen und fragt sich, warum ein Sportereignis Teile der Stadt besetzen darf, die doch allen gehören soll. "Was in Wahrheit ein Platz für sozialen Wohnraum sein sollte, wird für Unternehmer bestimmt sein, die nur Gewinne damit machen wollen." - Wer sich wehrt und Verantwortliche benennt, lebt mancherorts gefährlich wie auch in Nelspruit/Südafrika. Dort wurden Millionen für ein unnötiges Stadion der WM 2010 ausgegeben, an dem ein paar wenige Politiker und Funktionäre verdienten. Jimmy Mohlala, Sammy Mphatlanyane und January Masilela wollten dazu nicht mehr schweigen und wurden von Auftragskillern umgebracht. Ein Journalist, der die Sache seit Jahren verfolgt, will das endgültig beweisen. "Solche Mega-Events kollidieren mit allen Rechten: den Rechten von Frauen, den Rechten von Arbeitern, allen Menschenrechten", sagt Minky Worden von Human Rights Watch. Mark Pieth, Prof. für Strafrecht und Kriminologie in Basel und Korruptionsexperte sagt zur Verantwortung von IOC und FIFA: "Wenn ich vorschreiben kann, welches Bier im Umfeld des Stadions getrunken wird, dann kann ich im Vorfeld der Ausschreibung auch verlangen, welche Menschenrechte beachtet werden sollen." - Doch die gastgebenden Staaten haben oft selbst kein Interesse daran. Noch nicht mal daran, Umweltschäden von vorneherein auszuschließen. Besonders Winterspiele setzen der Natur zu, ob in der Vergangenheit Sotchi 2014, ob in der Zukunft Peking 2022. In Südkorea wurde bereits ein heiliger Wald mit uralten Bäumen für den Damenslalom der Winterspiele 2018 gerodet. Kim Kyungjun, Direktor des Koreanischen Umwelt-Bundes, protestierte vergeblich. "Das ist Naturschutzgebiet. Hier durfte man nichts bauen. Doch nach der Zusage für die Olympischen Spiele 2018 wurde ein Spezialgesetz erlassen. Ein Olympia-Gesetz. Nur deshalb war es möglich, hier diese Skipiste zu bauen." - Das Muster ist immer gleich: Am Ende bleiben wenige Gewinner und viele Verlierer übrig, besonders in Ländern mit instabilen demokratischen und wirtschaftlichen Strukturen und hohem Korruptionsfaktor. Allerdings haben vor allem die Proteste vor der Fußball-WM in Brasilien das Bewusstsein weltweit verändert, sagt Dawid Danilo Bartelt von der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio. "Brasilien ist das erste Volk, das auf die Straße gegangen ist, um auf die Demokratieprobleme von Sportgroßereignisse hinzuweisen." Die Skandale in der Sportwelt haben dieses Bewusstsein weiter verschärft.
Die "Sports and Rights Alliance", in der u. a. NGOs wie Transparency International, Human Rights Watch, Amnesty International, Gewerkschaftsverbände vertreten sind, will den Bürgern zu mehr Offenheit und Gerechtigkeit im Umfeld von Sport-Ereignissen verhelfen. "Wir dürfen nicht nur auf unsere Wettbewerbe sehen, sondern wir müssen auch schauen, welche Auswirkungen unsere Großveranstaltungen haben", beschreibt Sylvia Schenk von Transparency International die angestrebten Veränderungen.
Wie kann man den Wahnsinn stoppen? Kleiner, sanfter, günstiger - dahin muss sich nach Meinung vieler Experten die Zukunft der Sportereignisse entwickeln.

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