Die Last mit der schwulen Lust
Ob Homo-Ehe oder die Adoptionsmöglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare - es ist wieder einmal ein Kulturkampf entbrannt. Die einst so katholischen Iren votieren modern und freizügig für die Homo-Ehe, in Deutschland fürchten konservative Politiker wie Kirchenmänner den Untergang des Abendlandes. Es sind vor allem immer auch die Religionen, die zwar Barmherzigkeit predigen, aber doch oft genug Schwulenhass und Homophobie schüren. Denn wenn es um Homosexualität geht, sind sich die drei abrahamitischen Religionen sehr ähnlich: Gleichgeschlechtlicher Sex ist sündhaft und zieht den Zorn Gottes auf sich. So urteilen Bibel, Thora oder Koran über den Umgang mit ihren ungeliebten Söhnen und Töchtern. Ob krank oder vom Teufel besessen: Die Homosexuellen sollen umkehren, heterosexuell werden oder ein Leben lang Verstecken spielen, um ihrem Gott, ihrer Religionsgemeinde oder einfach nur der eigenen Familie zu gefallen. Beispielsweise ist Schwulsein allein nach katholischem Verständnis keine Sünde. Denn für ihre Andersartigkeit können sie ja nichts, wie es seitens der "Kongregation für die Glaubenslehre" heißt. Sobald sie aber ihren sexuellen Neigungen nachgehen, so die Kongregation, werden Schwule sündig. Denn Sex um der Lust willen, Partnerschaft ohne die Möglichkeit der Fortpflanzung ist nach dem katholischem Sexualverständnis eine schwere Sünde. Schwule, die sich dem katholischen Glauben nahe fühlen, werden damit vor den Kopf gestoßen und befinden sich in einem großen Dilemma zwischen sexueller und geistiger Orientierung. "Horizonte" berichtet, welchem psychischen Druck Homosexuelle in den verschiedenen Religionen ausgesetzt sind: ob als schwuler Muslim, der von der eigenen Familie mit dem Tod bedroht, verfolgt, zur Heirat gezwungen oder für immer verstoßen wird; ob als Katholik in katholisch-konservativen Kreisen ein Leben führend zwischen Selbsthass und Verdrängung; ob als schwuler orthodoxer Jude, dem man in seiner eigenen Gemeinde die Hand nicht geben will, oder auch als Gefangener in bibeltreuen fundamental-evangelikalen Kreisen, in denen Homosexualität geheilt werden muss, weil man sonst in der Hölle lande. Die Last mit der schwulen Lust: "Horizonte" berichtet über verbotene Liebe und Strategien, Verbote zu umgehen, über angebliche Heilungsmethoden, priesterliche Keuschheitsgelübde, über Lügen, Ausgrenzungen und den Versuch, sich mit Gott zu versöhnen. Studiogast: David Berger, katholischer Theologe.