Die Kinder von Etzelsdorf

Die Kinder von Etzelsdorf

In Linz an der Donau verkündete Adolf Hitler 1938 den 'Anschluss Österreichs' ans Deutsche Reich. Die aufstrebende Industrie der Stadt beschäftigte während des Nationalsozialismus Tausende von Zwangsarbeiterinnen. Die Situation der weiblichen Zwangsarbeiter in den Hermann Göring Werken Linz galt als Tabuthema: Nach der Niederlage in Stalingrad verlangten die Nationalsozialisten von den Ostarbeiterinnen eine Steigerung der Produktivität. Weil Schwangerschaften die Einsatzfähigkeit der Frauen einschränkten, wurden zunehmend Abtreibungen bis zum siebten Monat durchgeführt. Widerstand auch von Ärzteseite gab es kaum. Neugeborene wurden den Müttern weggenommen und in 'fremdvölkischen Säuglingsheimen' untergebracht, in denen grauenvolle Zustände herrschten. Sowohl im Lindenhof als auch im Schloss Etzelsdorf gab es gegen Kriegsende Heime für Kinder von osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen, die von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt eingerichtet worden waren. Innerhalb kürzester Zeit kam es in diesen Kinderheimen zu einem vermehrten Säuglingssterben. Allein in Etzelsdorf starben 13 Säuglinge aufgrund mangelhafter Pflege und Ernährung und wurden namenlos am Friedhof in Pichl bei Wels begraben. Seit einem Jahr erinnert nun am Friedhof in Pichl ein Gedenkzeichen an diese Kinder. In ihrer Dokumentation 'Die Kinder von Etzelsdorf' geht Carola Mair den Schicksalen vieler ostslawischer Zwangsarbeiterinnen und derer Kinder nach, die nach 1945 verdrängt und vergessen wurden. Mit ihrem Film wagt sich Carola Mair in eine Zone des Schweigens vor - in eine Tabuzone, die noch mehr als 60 Jahre später unvorstellbar erscheint.

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