Der Mietreport - Wenn Wohnen unbezahlbar wird

Der Mietreport - Wenn Wohnen unbezahlbar wird

Wirtschaft und Konsum 

Wohnen wird zum Luxusgut. In wirtschaftlich attraktiven Städten, wie etwa Frankfurt am Main, München und Hamburg ist Wohnraum knapp und teuer. In den Metropolen steigen die Mieten seit Jahren in teils schwindelerregende Höhen. Wer dort heute eine Wohnung findet, zahlt oft bis zu 30 Prozent mehr Miete als sein Vorgänger. Bereits Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen haben Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Umwandlung ganzer Stadtteile in "Luxusquartiere" und die Verdrängung der bisherigen Einwohner ist anscheinend nicht aufzuhalten. Oder doch? Wie wirksam sind etwa Erhaltungssatzungen, die vorschreiben, wie aufwendig eine Wohnung saniert werden darf, oder das Verbot einer Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen? Kann eine Mietpreisbremse das Problem vielleicht lösen? Oder können sich bald nur noch Wohlhabende ein Leben in der stadt leisten?
Neue, dringend benötigte Wohnungen entstehen durch die Maßnahmen nicht. Zwar hat die Bautätigkeit in den vergangenen Jahren wieder stark zugenommen, aber gerade Wohnungen im unteren Preissegment sind nach wie vor Mangelware. "Der Markt alleine wird das Problem nicht lösen", meint der Immobilienökonom Prof. Tobias Just. Muss der Staat es also richten? München und Hamburg etwa verpflichten Investoren durch eine sehr engagierte Flächenvergabepolitik, günstigen Wohnraum anzubieten. Aber haben wir in den Städten überhaupt noch genügend Platz, um ausreichend Wohnraum zu schaffen? Die Deutschen verbrauchen im internationalen Vergleich viel Fläche. In München, der am dichtesten besiedelten deutschen Stadt, leben rund 4.400 Einwohner auf einem Quadratkilometer, in Paris sind es über 21.000. Müssen wir "enger zusammenrücken" und viel höher bauen, als uns bisher lieb ist? In Frankfurt/Main sollen bis zu sechs spektakuläre, moderne Wohnhochhäuser errichtet werden.
Doch der deutsche Wohnungsmarkt ist tief gespalten. In vielen Regionen "kämpft" man nicht gegen Wohnungsnot und Luxusinvestoren, sondern gegen Verfall und Leerstand. Betroffen sind große Teile Ostdeutschlands, zunehmend aber auch Orte im Westen der Republik. Die Menschen zieht es dorthin, wo es Arbeit gibt - und das sind eben die Ballungsräume. Massiv verschärft wird das Problem durch die demografische Entwicklung: "Deutschland wird älter" und "schrumpft", die Einwohnerzahl nimmt ab. "Demografische Prozesse haben die Besonderheit, dass die langsam laufen. Aber sie laufen unerbittlich", so Lothar Ungerer, Bürgermeister der sächsischen Kleinstadt Meerane. Dort stehen heute bereits 18 Prozent der Wohnungen leer und jedes Jahr sterben in Meerane 200 Menschen mehr, als Kinder geboren werden. Verfällt die Provinz also zwangsläufig? Der Kampf dagegen kostet die Kommunen viel Geld und ist für die Einwohner nervenaufreibend.
Wohnungsmangel in wachsenden Städten, Leerstand in schrumpfenden Regionen: Beides stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Für den "Mietreport" hat Autor Tobias Streck in "Boomstädten" und in der Provinz nach Antworten gesucht. Zu Wort kommen neben Einwohnern auch Stadtplaner, Architekten, Bauherren, Makler, Bürgermeister und Wissenschaftler.

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