Das Wunder von Mogadischu

Das Wunder von Mogadischu

Es waren Mallorca-Touristen, die den RAF-Terror in Westdeutschland während ihrer Urlaubstage allenfalls aus der Ferne wahrgenommen hatten. Sie alle sollten an jenem 13. Oktober 1977 aus ihrem bisherigen Leben gerissen werden. 'Es war, als stünden wir plötzlich im Krieg', erinnern sich einige der Passagiere heute. Sie konnten zuerst nicht ahnen, dass die Entführung ihres Flugzeugs etwas mit dem Geschehen in der Heimat zu tun hatte. Die Entführung des Arbeit-geberpräsidenten Hanns Martin Schleyer Anfang September hatte die Bundes-republik in einen regelrechten Ausnahmezustand versetzt. Die Bonner Regierung war nicht zu einem Austausch gegen RAF-Gefangene bereit. Die Kaperung der Lufthansa-Maschine 'Landshut' durch palästinensische Terroristen sollte die Bundesregierung zum Einlenken zwingen. In der Erklärung der Schleyer-Entführer hieß es: 'Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass die Passagiere und Besatzung der Lufthansa-Maschine 737 ... unter unserer vollständigen Kontrolle und Verant-wortung stehen.' Mit dem unerwarteten 'Bündnis' zwischen der RAF und der radikalen Palästinensergruppe PFLP offenbarte der Terror eine neue, internationale Dimension. 'Wir hatten das Gefühl, wir sind völlig auf uns gestellt', erinnert sich Gabriele von Lutzau. Die Autoren versuchen in dem Film, das Schicksal der Entführten vor dem Hintergrund der politischen Vorgänge und Entscheidungen zu spiegeln und rücken dabei bislang unbekannte Facetten in den Vordergrund. Die damalige 'Landshut'-Stewardess Gabriele Dillmann (heute von Lutzau) und der Co-Pilot der Boeing 737, Jürgen Vietor, schildern, was diese Extremsituation aus Menschen machte. Gabi Dillmann gab den Passagieren Hoffnung, sprach mit den Entführern, appellierte in Mogadischu an die Bundesregierung. Ihr damaliger Freund Rüdeger von Lutzau flog den Sonderbeauftragten Hans-Jürgen Wischnewski nach Somalia und verfolgte das Drama aus der Nähe mit. Nach der Befreiung machte er seiner Freundin einen Heiratsantrag.

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