Das Dritte Lager - Geschichte der deutschnationalen Wurzeln

Das Dritte Lager - Geschichte der deutschnationalen Wurzeln

Das Dritte Lager bezeichnet in Österreich die politischen Bewegungen der deutschnationalen und nationalliberalen Wählerschaft. Die Wurzeln des Dritten Lagers reichen in die Zeit der k.u.k. Donaumonarchie zurück, wo alle Bewegungen, von deutschvölkischen bis hin zu deutschfreisinnigen, die Vereinigung aller deutschsprachigen Gebiete in einem Großdeutschen Reiche forderten. Das kaiserliche Österreich, in dem die Deutschen zwar die politische und kulturelle Führung innehatten, aber nicht die absolute Mehrheit der Bevölkerung stellten, sahen die Deutschnationalen als Bedrohung des Deutschtums an.

Grundlage des Dritten Lagers ist eine Richtung politischen Denkens, die davon ausgeht, dass Österreich nach dem Verlust der nicht-deutschsprachigen Gebiete nach dem Ersten Weltkrieg keine Existenzberechtigung als eigener Staat gegenüber dem Deutschen Reich hätte.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden bei der ersten Nationalratswahl 1945 rund 700.000 ehemalige österreichische NSDAP-Mitglieder und anders Belastete ausgeschlossen. Als diese zur nächsten Wahl 1949 wieder zugelassen wurden, wurde der Verband der Unabhängigen gegründet, der bei der Wahl sehr erfolgreich war. Der Begriff "Drittes Lager" wurde von da an für die Gruppe der deutschnationalen und nationalliberalen Wähler verwendet, analog zu den Lagern der konservativen ÖVP und der sozialistischen SPÖ. Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 erfolgte dann die Gründung der Freiheitliche Partei Österreichs als Nachfolgeorganisation des VdU.

Die Dokumentation von Gerhard Jelinek und Walter Seledec beschreibt die geschichtlichen Wurzeln des Dritten Lagers in Österreich.

ORF, 2000/Überarbeitung ORFIII 2016

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