Countdown zu einem Tabubruch - "Mein Kampf" erscheint

Countdown zu einem Tabubruch - "Mein Kampf" erscheint

Zum Ende des Jahres wird nicht mehr zu verhindern sein, was über 70 Jahre gelungen schien: Adolf Hitlers "Mein Kampf" aus den Bücherregalen zu verbannen. Ab dem 1. Januar 2016 wird die Hetzschrift wieder freiverkäuflich in den deutschen Buchläden ausliegen. War "Mein Kampf" überhaupt verboten?

Es ist nur das Urheberrecht, das bis heute den Abdruck von Texten aus "Mein Kampf" verhindert hat. Noch verfügt der bayerische Finanzminister Markus Söder darüber. Aber weil nach 70 Jahren jeder Verleger das Buch auf den Markt bringen darf, beschließt der bayerische Landtag, eine wissenschaftlich kommentierte Fassung herauszugeben. Markus Söder beauftragt das Institut für Zeitgeschichte mit der Arbeit. 500.000 Euro ist es ihm wert, dass möglichst noch vor Ende der Ablauffrist eine wissenschaftlich bearbeitete Ausgabe von Hitlers Kampfschrift erscheint, auch um anderen Verlagen den Markt abzugraben.

Doch plötzlich und für alle Beteiligten völlig unverständlich, zieht Horst Seehofer den Auftrag zurück. Der bayerische Ministerpräsident warnt das Institut, weiter an dem Buch zu arbeiten. Aber genau das tun die Historiker; sie setzen ihre Arbeit fort.

"Countdown zu einem Tabubruch" recherchiert den Streit um Seehofers Rückzieher, reportiert den Wettlauf des ehemals staatlich finanzierten Mein-Kampf-Projekts mit rechtsradikalen Verlagen und folgt den Spuren der Kampfschrift bis in die Wohnzimmerregale der Gegenwart und die Hirne der Menschen.

Der Dokumentarfilm zeigt, wie Überlebende des Naziregimes und die Menschen in Israel auf die Wiederverbreitung reagieren, und spürt auf, dass trotz aller Diskussionen in Deutschland längst mit "Mein Kampf" Geld verdient wird.

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