100 x Katholikentag

100 x Katholikentag

Kirche und Religion 

Vom 25. bis 29. Mai findet in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag statt. Das Glaubenstreffen, das vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisiert wird, ist eine Tradition der katholischen Laien. Unter dem Leitwort "Seht, da ist der Mensch" werden auch auf der diesjährigen Jubiläumsveranstaltung in Leipzig mehrere Zehntausend Menschen erwartet - darunter hochrangige Kirchenvertreter und Politiker, prominente Künstler und Medienstars. Auf dem Programm stehen mehr als 1.000 Einzelveranstaltungen - Gottesdienste, Podiumsdiskussionen, Workshops, Ausstellungen, Mitmachaktionen, Konzerte oder Feste. Mit 4,5 Prozent Katholiken-Anteil ist Leipzig wahrlich keine katholische Hochburg. Schon vor Beginn der Jubiläumsveranstaltung gab es politischen Gegenwind, als es um den finanziellen Zuschuss der Stadt Leipzig ging. Auch wenn der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, von einem Fest für alle spricht und die katholische Kirche im Osten im Aufbruch sieht: Begeisterungsstürme löst der Katholikentag nicht nur in Leipzig nicht aus. Den größeren Eklat gab es unlängst im katholischen Münster - dem Austragungsort des nächsten, des 101. Katholikentages im Jahre 2018. Der Gemeinderat der Stadt Münster lehnte einen städtischen Barzuschuss für das katholische Glaubensfest komplett ab; lediglich Sachleistungen will die Stadt gewähren. Dass Kirchentage von der gastgebenden Stadt mitfinanziert werden, war jahrzehntelang vielerorts unhinterfragte Praxis. Die Entscheidung aus Münster hat nicht nur mit der Finanznot der Kommunen zu tun. Sie zeigt vielmehr, dass einer nicht mehr überwiegend konfessionell gebundenen Bevölkerung nicht mehr zu vermitteln ist, warum die Politik kirchliche Veranstaltungen weiterhin fraglos unterstützen soll. Die konfessionelle Landschaft in Deutschland hat sich erheblich gewandelt. Vorbei sind die Zeiten, als alle Katholiken gleich CDU-Mitglieder waren und die Kirchenmitglieder den Großteil der deutschen Bevölkerung bildeten. Heute dagegen werden Gemeinden zusammengelegt, weil den Gotteshäusern die Priester und den Kirchen die Mitglieder fehlen. Den Protestanten in Deutschland ergeht es nicht anders. Zwar wird 2017 das große Reformationsjubiläum noch mit staatlichem Beistand kräftig gefeiert, aber der raue Wind des Säkularismus weht auch der evangelischen Kirche ins Gesicht. Die Kirchen sind nicht mehr selbstverständliche Player im gesellschaftlichen Diskurs. "Horizonte" nimmt den 100. Katholikentag zum Anlass, um über den konfessionellen Wandel in Deutschland und dessen gesellschaftliche Folgen nachzudenken. Denn ein Einflussverlust der Kirchen verändert über kurz oder lang auch die Gesellschaft, und sei sie auch noch so säkular. Ins Studio eingeladen hat Meinhard Schmidt-Degenhard zum Gespräch Thomas Sternberg, den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken , sowie den Historiker Thomas Großbölting.

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